Freitag, 21. September 2007

Das grosse Geschäft mit der Office-Suite wankt.

Als Office-Suite bezeichnet man eine Ansammlung von Programmen für die typische Arbeit im Büro. Meist besteht das Programmpaket aus Modulen für die Textverarbeitung, die Tabellenkalkulation, die Erstellung von Präsentationen u.a.m. Die bisher bekannteste Office-Suite stammt von Microsoft: Microsoft Office.

Microsoft gelang es in den 1990er Jahren mit Windows und den darauf abgestimmten Office-Programmen die Konkurrenten aus dem Markt zu verdrängen. Fast 90% Marktanteil erreichte die Firma mit ihren Produkten und kann heute auf ein über zehn Jahre andauerndes Quasi-Monopol zurückblicken, welches jährlich Milliarden von Dollar in die Kasse spülte.

Nun aber werden die Aussichten für das grosse Geschäft mit der Office-Suite etwas getrübt. Einerseits bekennen sich immer mehr öffentliche Organisationen zu quelloffener Software und offenen Standards, andererseits bieten findige Entwickler immer mehr Lösungen an, für welche der Anwender keine eigenen Office-Programme benötigt.

OpenOffice ist eine komplette Office-Suite, bei der der Quellcode (Programmcode) offen zur Verfügung steht. Das heisst, jeder kann die Office-Suite verändern, anpassen und weiterentwickeln. Anwender können das gesamte Paket gratis aus dem Internet laden, installieren, benützen und weiterverbreiten. OpenOffice funktioniert im Unterschied zu den Microsoft-Produkten auf allen gängigen Plattformen wie Windows, Linux, Unix, MacOS, etc.

Schon alleine diese Tatsachen machen die OpenOffice-Suite für viele Organisationen und Privatanwender attraktiv. Ein weiteres immer bedeutungsvolleres Argument stellt die Integration des ODF-Standards dar (Open Document Format for Office Applications). ODF wurde als Standard von der Internationalen Organisation für Normierung (ISO) als Norm anerkannt.

Wer Dokumente mit Microsoft-Office erstellt und speichert, kann sie später wiederum nur mit Microsoft-Office bearbeiten. Diese Abhängigkeit ist vielen Organisationen und privaten Anwendern ein Dorn im Auge. Das Speichern im ODF-Standard macht den Anwender unabhängig vom Hersteller der Software. Dieser entscheidende Vorteil wird in der Zwischenzeit immer mehr zum Entscheidungskriterium für die Umstellung auf OpenOffice.

Grosse Firmen wie IBM, Sun und Google haben die Vorteile erkannt, bieten eigene Varianten der Office-Suite an und unterstützen die Weiterentwicklung (IMB-Symphony, Sun StarOffice, Google Pack StarOffice).

Eine neue, ernst zu nehmende Konkurrenz für die Microsoft-Office-Produkte entsteht in den Online-Office-Tools von ZOHO oder Google Apps für Heimanwender und Google Apps Professional Edition für Unternehmen. Mit den angebotenen Tools können komplette PC-Arbeitsplätze eingerichtet werden, ohne dass dadurch Kosten für die Software entstehen.

Der Privatanwender erhält derzeit bei Google 1GB (1'000 Megabyte) Speichervolumen gratis. Unternehmen können die Profession Edition mit 50GB Speichervolumen für 50 Dollar pro User und Jahr benützen. Ein so eingerichteter Online-Desktop benötigt lediglich Zugang zum Internet, einen Webbrowser (Firefox, Internet Explorer, etc.) und kann ortsunabhängig auf der ganzen Welt erreicht und benützt werden.

Diesen Vorteil entdecken zunehmend auch Unternehmen. Geradezu schockierend muss die Nachricht von Capgemini für Microsoft gewesen sein. Capgemini ist ein weltweit tätiges Beratungsunternehmen für Management und Informationstechnologie (IT). Im September 2007 liess der Konzern verlauten, dass er seinen Kunden künftig die Anwendung von Google Apps Professional Edition empfiehlt.

Nachdem zuvor Microsoft offiziell erklärt hatte, dass sie in den Google Apps keine Gefahr für das eigene Unternehmen sehen, scheint nun doch Unmut aufzukommen, wie in der Netzwoche (Artikel) und anderen Quellen nachzulesen ist.

Microsoft testet derzeit ein werbefinanzierte Works-Version. Works ist eine Software-Suite für Heimanwender. Durch Werbeeinblendungen während des Betriebes soll sich die Suite künftig finanzieren. Der Erfolg darf angezweifelt werden, zumal der Funktionsumfang von Works gegenüber OpenOffice eher bescheiden ausfällt.

Links und Quellen:
Heise Online: Capgemini empfiehlt Googles Online-Anwendungen
zdnet.de: Microsoft schiesst gegen Google Apps
it-inside.ch: Googles Apps macht Microsoft nervös
netzwoche: Microsoft reagiert nervös auf Capgemini-Google Deal
freie-software.blogspot.com: Der Softwareriese wird nervös
Pro-Linux: Behörden der Niederlande wechseln zu offenem Standard
Pro-Linux: OpenOffice.org zwingt Microsoft in Polen zu Preisnachlässen
Heise Online: Google argumentiert für ODF und gegen das Microsoft-Format OpenXML
Heise Online: Microsoft testet werbefinanziertes Works

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