Montag, 21. Mai 2007

Der Softwareriese wird nervös

Microsoft beklagt wieder einmal Patentverletzungen der OpenSource-Gemeinde. Zum wiederholten Male und wieder ohne konkrete Beweise. Es geht nur darum Angst zu schüren. Doch der Erfolg wird dieses Mal wohl ausbleiben. Im Gegenteil, wenn der Software-Riese brüllt, dann wohl deswegen, weil die Open-Source-Gemeinde derzeit so viele Erfolge verzeichnet, dass ihn dies nervös macht.

Als ich vor knapp fünf Jahren damit begann, Linux für meine Anwendungsbedürfnisse zu testen, war ich zwar beeindruckt von dem, was bis dahin viele Freiwillige auf der ganzen Welt zustande gebracht hatten, aber einen vollständigen Ersatz für Windows konnte ich darin nicht erkennen. Es wäre ja auch zu schön gewesen.

Bild: Ubuntu Loginscreen

Doch nach und nach entdeckte ich Anwendungsbereiche, die unter Linux gut funktionierten, wie z.B. das Surfen und Mailen. Ich las meine Tageszeitung und andere News am Laptop, schrieb und beantwortete Mails, hörte Musik und sah grosszügig über gewisse Einschränkungen hinweg. Als diese Einschränkungen nach und nach durch neue Versionen verschwanden, kehrte ich Windows den Rücken, indem ich solange suchte, bis ich für alle meine Bedürfnisse eine Lösung in der Open-Source-Welt fand.

Und nun bin ich an dem Punkt angekommen, den ich mir immer gewünscht habe: die Unabhängigkeit von Microsoft. Endlich! Sogar die lokalen Behörden haben begriffen, dass niemand mehr Open-Source ignorieren darf und haben beispielsweise die Software für die Steuererklärung in einer Linuxversion zur Verfügung gestellt.

Vielmehr aber dürften Microsoft die Entscheidungen der Behörden mit grösserer Tragweite stören, z.b. die der Stadt Münschen, welche sich in einem frühen Stadium dazu entschloss, ihre Informationstechnologie auf Open-Source-Software umzustellen (siehe Bericht heise online). Ihr folgten andere Städte und Kommunen oder Ministerien (Frankreich will OpenSource auf staatlichen Rechnern, heise online).

Das OpenSource-Software-Angebot hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. Mit Firefox und Thunderbird entstanden zwei vollwertige und wichtige Programme, welche die Nutzung des Internets in anwenderfreundlicher Form ermöglichen. Mit OpenOffice steht seit längerer Zeit eine komplette, professionelle Office-Suite (Büro-Paket) zur Verfügung. Für die Bearbeitung von Grafiken ist GIMP längst eine Alternative zu proprietären Programmen.

OpenOffice Logo

Grosse Player haben längst erkannt, dass die OpenSource- und Linux-User nicht vernachlässigt werden dürfen. So stand beispielsweise für Skype nebst der Version für Windows auch rasch eine Version für Linux zur Verfügung. Google unterstützte den Browser Firefox von Beginn an und holt sich derzeit prominente Linux-Entwickler an Bord (Bericht heise online). IBM verstärkt seit längerem sein Engagement für Linux. Nebenbei erwähnt: Zattoo für Linux ist verfügbar und es funktoniert.
Neues Ungemach bereitete Microsoft die Stadt Massachusetts. Im Herbst 2005 schlug die Information Technologie Division vor, in der Stadtverwaltung das OpenDocument Format (ODF) einzuführen. Die Abhängigkeit von einem nicht offenen Standard der die gesamte Konkurrenz ausschliesst ist vielen Organisation nicht geheuer. In der Zwischenzeit hat sich eine Allianz aus namhaften Firmen und Organisationen gebildet, die das offene Dokumentformat (ODF) födern wollen.

Im Mai 2006 konnte die ODF-Allianz bekanntgeben, dass ODF als ISO-Standardard anerkannt wurde. Belgien hat die Umstellung auf ODF für den Austausch von Dokumenten zwischen den Behörden im Sommer 2006 beschlossen. In der Zwischenzeit wird diese Strategie in vielen Staaten und Behörden diskutiert und weitere Unterstützung zugesagt (siehe Bericht heise online).

Im Bereich Web-Server und Web-Software ist OpenSource seit vielen Jahren konstant erfolgreich und gleichzeitig der grösste Konkurrenz von Microsoft. Ich erstelle alle meine Web-Seiten mit OpenSource-Software und ein Linux-Server sorgt dafür dass die Seiten im Internet erreichbar sind.

TUX, das Linux-Maskottchen

Bild: TUX, das Linux-Maskottchen

Als Microsoft zur Jahrtausendwende die Verträge mit den PC-Herstellern so abänderte, dass nur noch ein vorinstalliertes Windows möglich war, schien das Monopol für den Privatkundenmarkt nur noch eine Frage der Zeit. Mehr als 90% Marktanteil konnte Microsoft damit erreichen, während die Apple Mac-Computer etwas über 2% ausmachten, noch weniger der Anteil Computer mit Linux als OS.

Am 1. Juli 2005 gründete Mark Shuttleworth die Ubuntu Foundation mit dem Ziel freie Software in hoher Qualität anbieten zu können. Er stellte dafür 10 Millionen USD zur Verfügung. Damit entstand bis heute die wohl beliebteste Linux-Distribution für den Privatbereich.

Inzwischen hat Linux als Betriebssystem das Mac-OS überholt. Genaue Zahlen über den Marktanteil zu ermitteln ist schwierig, doch die Meldungen der letzten Jahre haben einen gemeinsamen Nenner: Linux legt ständig zu und im Unternehmensbereich darf man von einem Linux und OpenSource-Boom sprechen.

Diese Entwicklung macht Microsoft nervös. Steve Ballmer äusserte sich 2005 an einer Veranstaltung despektierlich über Linux als Konkurrent, später auch Bill Gates. Man habe es bei dieser Community mit modernen Kommunisten zu tun. Dann folgten die Drohungen bezüglich den vermeindlichen Patentverletzungen durch Linux, ohne jedoch konkrete Hinweise hinweise zu liefern.

Die Vormachtstellung von Microsoft ist derzeit ungefährdet und hat Bill Gates zum reichsten Erdenbürger gemacht. Mit prallvollen Kassen wird sich der Konzern noch lange behaupten und und mit strategischen Zukäufen weiter ausbreiten können. Aber der Wind weht auch für diese Firma nicht mehr nur in eine Richtung.

Sicher ist, dass es ein paar - leider viel zu wenige - Mitbewohner dieses Planeten gibt, die gemerkt haben, dass die Machtkonzentration von Microsoft gefährlich ist. Denn schliesslich hat nach einem alten Sprichwort jeder Mensch seinen Preis. Und da Menschen in den Gerichten und Regierungen sitzen, sind deren Entscheidungen nicht immer über alles erhaben.

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